Christlich

Christlich

„Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“

So schreibt Paulus in seinem Brief an Timotheus (2 Tim 1,7). Er ermutigt seine Mitarbeiter, den neuen Glauben an Jesus Christus zu verbreiten und die Menschen sowie sich selbst für seine Vision zu begeistern.

Neben diesem für uns grundlegenden Vers fällt auch an anderen Stellen auf, dass das Thema Innovation mit Blick auf die Haltungen, die mit innovativem Handeln verknüpft werden, für die christliche Tradition eigentlich nicht neu ist. In den biblischen Texten, aber auch in den Beschlüssen von Konzilien oder den Veröffentlichungen unterschiedlicher Theologinnen und Theologen lassen sich Brücken zwischen Innovation und christlicher Tradition schlagen.

Innovationsarten:

Gott greift immer wieder unterschiedlich in die Welt ein:

  • radikal in der Schöpfung (Gen 1,1), in der Rettung des Volkes Israel aus Ägypten (Buch Exodus) oder auch in der Menschwerdung in Jesus Christus (v.a. Joh 1)
  • inkrementell durch die unterschiedlichen Propheten des Alten Testamentes, die je für die jeweiligen Belange ihrer konkreten Zeit, ihre Aussagen anpassen
     

Nutzendenorientierung:

Die Heilung des blinden Bartimäus – Beteiligung der Nutzenden

„Was willst du, dass ich dir tun soll?“ (Mk 10,51)

Jesus verschafft dem blinden Bartimäus die Gelegenheit seinen Wunsch bzw. sein Anliegen vorzutragen. Zunächst muss er ihm dazu Gehör und die Möglichkeit dazu verschaffen, ihn aber auch konkret fragen. Erst auf die konkrete Nachfrage wird auch Bartimäus in seiner Antwort konkret.

Fehlerfreundlichkeit:

Jesu Gang auf dem Wasser – Versuch im geschützten Rahmen

Jesus sagte zu Petrus: „Komm!“ (Mt 14,29)

Jesus geht seinen Jüngern, die im Boot sitzen, über den See entgegen. Petrus ist so begeistert davon, dass er darin Jesus nachfolgen möchte. Dieser gibt ihn die Möglichkeit dazu, das Gehen auf dem Wasser auszuprobieren und ruft ihn zu sich. Petrus beginnt, steigt aus dem Boot und hat zunächst Erfolg. Kurz darauf bekommt er es aber mit der Angst zu tun, zögert und geht unter. Sofort ist Jesus da und reicht ihm seine Hand.

Effectuation:

Gaudium et spes – Zusammenarbeit unterschiedlicher Menschen

„Die Kirche bedarf vor allem in unserer Zeit mit ihrem schnellen Wandel der Verhältnisse und der Vielfalt ihrer Denkweisen der besonderen Hilfe der in der Welt Stehenden, die eine wirkliche Kenntnis der verschiedenen Institutionen und Fachgebiete haben und die Mentalität, die in diesen am Werk ist, wirklich verstehen, gleichgültig, ob es sich um Gläubige oder Ungläubige handelt.“ (GS 44)

Die Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils stellt deutlich heraus, dass es bei einem zeitgemäßen kirchlichen Handeln nicht ohne die Vielfalt an Menschen, Professionen und Perspektiven geht. Diese zusammenzubringen und gemeinsam Ideen entwickeln zu lassen, bleibt Herausforderung und Aufforderung.

Marlies Hennen-Nöhre

Leiterin des Zukunftsbild-Projekts Gründerbüro

Mira Wählisch

Leiterin des Zukunftsbild-Projekts Gründerbüro