Verständnis Sozialpastoral

Projektteam „Sozialpastorale Zentren“

Die Motivation für jegliches Sozialpastorale Handeln gründet im christlichen Glauben. Sozialpastorales Handeln stützt sich dabei auf die im zweiten Vatikanischen Konzil hervorgehobene „universale Sendung“ (Lumen gentium 1) der Kirche und ihre Solidarität mit allen Menschen, „besonders der Armen und Bedrängten aller Art“ (Gaudium et spes 1). Es drückt sich aus im bewussten Agieren als Christ/-in und richtet sich an alle Menschen unabhängig von ihrer Religion oder Weltanschauung. Der Kreis der Kirchenmitglieder als alleinige Adressaten pastoralen Handelns wird somit überschritten.

Sozialpastorales Handeln bedeutet auch, Kooperationspartner/-innen unabhängig von ihrer Weltanschauung zu wählen und mit möglichst allen Personen und Organisationen zusammen- zuarbeiten, die dasselbe Ziel verfolgen. Daher ist von jeglichem Konkurrenzdenken im Sinne der Zielverfolgung abzusehen, eine kritische Prüfung von Kooperationen und Partnern kann jedoch notwendig sein.

Sozialpastoral ist stets an einen Sozialraum gebunden und erfordert die Auseinandersetzung mit den dort lebenden Menschen inklusive ihrer Ressourcen, ihrer Grenzen, ihrer Stärken und Schwächen... Es gilt, die jeweiligen Bedürfnisse und Nöte der Menschen wahrzunehmen und sich hieran zu orientieren. Dabei ist zu beachten, dass Not und Armut jeweils im Kontext der Gesellschaft zu betrachten sind und sich nicht ausschließlich in Aspekten von finanzieller Armut ausdrücken. Die jeweilige Lebenssituation ist im Kontext des Evangeliums zu betrachten. Auf dieser Basis sind mit Hilfe aktueller Methoden und Hilfsmittel Handlungsstrategien zu entwickeln, die zu einer Verbesserung der Lebenssituation führen. Dabei ist jedes assistenzialistische Handeln zu vermeiden und entsprechend Jesu Haltung „Was soll ich Dir tun?“ (Markusevangelium 10,51) der/die Betroffene einzubeziehen und nach Möglichkeit zu ermächtigen, sich selbst zu helfen.

Sozialpastorales Handeln richtet sich aus an der jeweiligen sozialen, politischen und auch kirchlichen Realität im Sozialraum. Daher wird die Unterstützung der Menschen im Sozialraum bei der Veränderung individueller Aspekte (individuelle Diakonie) ergänzt um jene bei Veränderungen von Strukturen, die Lebenssituationen negativ beeinflussen (politisch-strukturelle Diakonie).

Solches an den im jeweiligen Sozialraum lebenden Menschen ausgerichtetes Handeln erfordert Vielfalt in den Angeboten sozialpastoralen Handelns und vielfältige sozialpastorale Projekte. Wird Sozialpastoral in einem Sozialraum verortet, so sind ihre Angebote bewusst kirchlich bzw. in kirchlicher Kooperation getragen, Ort und Rahmen der Angebote sind stets als solche erkennbar. Nicht jedes einzelne dieser Angebote ist jedoch religiös oder auf den ersten Blick zwingend als kirchlich erkennbar. Orte sozialpastoralen Handelns sind ebenso wenig gleichzusetzen mit einer Pfarrei wie mit einer Sozialstation in nicht-kirchlicher Trägerschaft. Sie übernehmen eine Dienstfunktion für den Lebens- und Sozialraum. Alle hier vorgehaltenen Angebote sind zwischen diesen beiden Polen zu sehen. Es sind Orte, an denen die Vereinbarkeit von Gottesliebe und Nächstenliebe (Mattäusevangelium 22,37ff) sichtbar und umgesetzt wird und somit Seelsorge und Leistungen sozialer Arbeit gleichermaßen angeboten werden.

So verstandene Sozialpastoral erfordert eine multiprofessionelle Zusammenarbeit. Die vielfältigen Angebote benötigen verschiedene Kompetenzen, die sich mindestens in der Zusammenfügung von pastoralen und sozialen Berufen ausdrücken. Eine Vielfalt der Angebote erfordert zudem eine Zusammenarbeit von ehrenamtlich und hauptberuflich mitarbeitenden Kräften, die bereit sind, sich als Bezugspersonen für die Menschen im Sozialraum anzubieten. Die eingangs beschriebene Motivation für sozialpastorales Handeln aus dem christlichen Glauben heraus schließt jedoch die Mitarbeit nicht-christlicher Engagierter, die dieselben Ziele verfolgen, nicht aus.

Menschen unterschiedlichster Profession arbeiten somit gemeinsam an der Verbesserung von Lebensbedingungen in einem Sozialraum und bilden so eine Gemeinschaft. Zu dieser können auch Menschen aus dem Sozialraum gehören, die sich hier zwar nicht aktiv einbringen, jedoch aufgrund der Teilnahme an Angeboten daran Anteil nehmen. Sich so gründende Koinonia und Raum für die Ausübung von Spiritualität bedingen sich an diesen Orten wechselseitig.

Solche neuen oder zumindest von den „klassischen“ Kirchengemeinden unterscheidbaren Gemeinschaften stellen zugleich eine Herausforderung für diejenigen dar, die eine Verbindung zwischen beiden Formen von Kirche suchen.

Die beschriebene Ausrichtung sozialpastoralen Handelns an den Menschen im Sozialraum und ihren Bedürfnissen bedingt seinen Charakter des nie abschließbaren Konzeptes. Mit den sich wandelnden Lebenssituationen im Sozialraum ändern sich auch die Bedarfe der dort lebenden Menschen. So gilt es, diese in regelmäßigen Abständen erneut zu analysieren und die Konzepte der Sozialpastoral vor Ort daraufhin zu überprüfen und anzupassen. Auf diese Weise verändern sich Angebote, werden einzelne Projekte beendet und neue begonnen. Beständig ist jedoch die Notwendigkeit von Bezugspersonen sowie von Raum für Spiritualität überall dort, wo sich Menschen sozialpastoral engagieren. 

Christian Gentges

Stellvertretender Abteilungsleiter und Arbeitsstellenleiter